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„Und plötzlich bewegt sich der Arm!“ - Virtual Reality in der Ergotherapie

Virtual Reality in der Ergotherapie

Diagnose: Schlaganfall. Tag für Tag habe ich Patienten in meiner Ergotherapie-Praxis in Riesa, die mit den Folgen dieser unerwartet auftauchenden Erkrankung zu kämpfen haben. Lähmungen, Sprachstörungen und Wahrnehmungsstörungen sind nur ein Teil der Folgen, die eine sehr lange Rehabilitationszeit brauchen und oft ein Leben lang bleiben. Der Schlaganfall gehört neben dem Herzinfarkt zu den am meisten gefürchteten, plötzlich auftretenden Krankheiten.

 

Um Schlaganfallpatienten besser helfen zu können, gründete Philipp Zajac 2016 in Tübingen das Start-up „Rehago“ und entwickelte mit seinem Team aus Informatikern und Spieleentwicklern ein Trainingsprogramm, das auf dem System der Virtual Reality basiert. Mittels einer VR-Brille und Software soll auf Grundlage der Spiegeltherapie die Funktion gelähmter Körperteile wiederhergestellt werden. Als ich von dieser Möglichkeit der Therapie erfuhr, wollte ich sofort mehr wissen und erfahren, wie ich Patienten in meiner Praxis damit noch besser helfen kann.

 

Gesagt, getan. Ganz nach unserem Praxismotto „AKTIVerLEBEN“ haben wir das Virtual Reality-Modell selbst ausprobiert und waren begeistert von den Möglichkeiten, die es unseren Patienten bietet. Und zwar nicht nur denen, die unter den Folgen eines Schlaganfalles leiden, sondern allen, die Störungen der Nerven, Muskeln und Wahrnehmung haben.

 

Zusammen mit Rehago bieten wir nun die virtuelle Realität als Therapieform in unserer Ergotherapie-Praxis in Riesa an – mit sichtbaren Erfolgen. Wir gehören damit zur bisher einzigen Virtual Reality Ergotherapie-Praxis in Riesa und Sachsen. Deswegen möchte ich in diesem Beitrag noch einmal näher auf die Wirkungsweise und die Anwendungsgebiete eingehen.

Was ist Virtual Reality und was nützt sie der Ergotherapie?

 

Gleich vorweg: VR ist und soll kein Ersatz zur klassischen Ergotherapie sein, sondern eine Ergänzung, die Patientinnen und Patienten ein Stück Selbstständigkeit zurückgibt.

 

Die virtuelle Realität ist eine computerbasierte Umgebung, zum Beispiel ein Raum, ein Ort in der Natur oder eine Landschaft, die man durch das Tragen einer VR-Brille sieht und in der man sich bewegen kann. Diese völlig abgedunkelte Brille schottet die reale Umgebung ab, sodass man nur noch die virtuelle Welt wahrnimmt. In einem Moment könnten Sie so die Wasserfälle am Amazonas beobachten und die Hand ins kühle Nass strecken, im nächsten Moment stünden Sie in der Wüste und könnte den warmen Sand durch die Finger rinnen lassen. Das klingt ein bisschen nach „Zurück in die Zukunft“, wird aber nicht nur im Entertainment-Bereich bei Filmen und Spielen, sondern auch in der Medizin, etwa in der Chirurgie oder Traumabehandlung, erfolgreich eingesetzt.

 

In der Ergotherapie ermöglicht die Virtual Reality, dass Patienten dank der sogenannten Spiegeltherapie ihre gelähmten Gliedmaßen trainieren können. Das funktioniert, indem sie durch die Bewegung des gesunden Armes in der virtuellen Umgebung auch ihren kranken Arm in Bewegung sehen. Diese Illusion und Spiegelung spricht die visuomotorischen Hirnareale an und aktiviert sie. Zudem können in der virtuellen Welt Bewegungen ausgeführt werden, die sich der Patient sonst nicht zutraut, die er nicht oder noch nicht wieder kann. So werden Muskeln aufgebaut und das Schmerzgedächtnis sowie das Einschränkungsbewusstsein überschrieben. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass halbseitige Armlähmungen, Schmerzen und Wahrnehmungsdefizite durch die Spiegeltherapie erfolgreich therapiert werden können.

 

 

Wofür kann VR genutzt werden?

 

Das Virtual Reality Programm von Rehago wurde zwar ursprünglich für halbseitige Lähmungen bei Schlaganfällen entwickelt, findet aber auch in vielen anderen Bereichen, die mit Motorik, Nerven und Wahrnehmung zu tun haben, Anwendung. Zum Beispiel bei Demenz, Depression, Neglect, bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen, Angststörungen oder zur Schmerztherapie. Das Abtauchen in die virtuelle Welt stellt einen besseren Zugang zu demenzerkrankten und depressiven Menschen her, schult gleichzeitig Feinmotorik, Gleichgewicht und macht auch noch Spaß. So rückt der Alltag für einen Moment in den Hintergrund

 

 

 

Welche Vorteile bietet die VR-Therapie?

 

Durch das regelmäßige Training in einer virtuellen Umgebung kann die Gesamttherapiezeit verkürzt und die Mobilität von Gliedmaßen wiederhergestellt werden. Trainingserfolge sind spür- und sichtbar. Für Patienten ist es eine große Motivation, die gelähmte Hand, die Finger oder den Arm durch die Spiegelung in der virtuellen Welt wieder bewegen zu können. Das vermittelt ein ganz neues Körpergefühl, animiert zu regelmäßigem Training und beugt Depressionen durch ausbleibende oder langsam voranschreitende Therapieerfolge vor. Die Neuroplastizität, also die Regenerationsfähigkeit des Gehirns, wird gefördert, indem sich Nerven neu verknüpfen und das Hirn strukturiert wird.

 

Ein großer Vorteil der Virtual Reality ist, dass Patienten neben der regulären Ergotherapie-Sitzungen auch zuhause trainieren können. Das ist nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch ratsam. Allerdings sind die Übungen für Patienten ohne die Anleitung des Therapeuten oft schwierig, sodass sie nur einmal in der Woche Anwendung finden, was für einen guten Heilungsprozess viel zu wenig ist. Genau hier setzt Rehago an, denn Brille und Software können gegen eine monatliche Mietgebühr von etwa 60 Euro zuhause genutzt werden. Wir als Therapeuten können die Fortschritte mittels Statistiken verfolgen und sind dadurch immer im Bilde.

 

 

 

Welche Alternativen zu VR gibt es?

 

Neben der Virtual Reality gibt es weitere Therapiemöglichkeiten, die die Gehirnaktivität positiv beeinflussen können. So zum Beispiel das Neurofeedback, auch EEG-Feedback genannt, bei dem das Gehirn bewusst in einen Aufnahmemodus oder in Entspannung versetzt wird. Hierfür werden am Kopf des Patienten drei bis fünf Elektroden angebracht, die die Hirnströme messen. Auf einem Monitor werden diese Messungen sichtbar gemacht und der Patient betrachtet verschiedene Animationen, die ihm positive Veränderungen seiner Hirnaktivität sofort sichtbar oder hörbar zurückmelden. Der Erfolg steht und fällt mit dem jeweiligen Therapeuten, da falsche Aktivierungen zu unerwünschten Wirkungen wie einer übersteigerten Erregtheit oder Hyperaktivität im Alltag führen können. Zudem kann das Training, anders als Virtual Reality, nicht zuhause erfolgen.

 

Eine weitere Alternative ist COGPACK, ein PC-gestütztes, neuropsychologisches Therapieprogramm. Es enthält 64 Übungen mit über 500 Aufgaben zum Training und zur Rehabilitation der Hirnfunktionen. Angewendet wird es zum Beispiel bei Konzentrations-, Leistungs- und Motivationsstörungen, zur Schulung der visuellen Motorik, Auffassung, Reaktion, Merkfähigkeit und sprachlichen, intellektuellen Anforderungen. Im Gegensatz zu VR findet hier kein Bewegungstraining statt.

 

eTherapie: Auf digitalem Wege in die Zukunft

 

Wir bezeichnen Virtual Reality auch gern als „Therapie to go“ – und genau darin liegt der riesengroße Vorteil für Patienten, denn das Üben hört mit dem Verlassen unserer Praxis nicht auf. Dank dieser neuen Therapieform stehen die Chancen einer Genesung deutlich besser, sodass wir möglichst vielen Patienten und Patientinnen VR ermöglichen wollen und es in unseren Therapiealltag einbauen. Die VR-Therapie im Rahmen der Ergotherapie wird in den meisten Fällen durch die Krankenkasse übernommen, wenn eine ergotherapeutische Verordnung des Arztes vorliegt. Vielleicht gibt es Virtual Reality aber auch bald auf Rezept in der „APPotheke“. Denn die Chancen stehen gut, dass die Rehago-Software durch die nötigen Zertifizierungen bald auch für die Anwendung zuhause von der Krankenkasse getragen wird. Wir drücken die Daumen, denn wir sind uns sicher, dass diese Therapieform vielen Menschen auf Dauer helfen wird.

 

 

Herzlichst, Ihre „e-Lisa“ Preiß 😉

 

Ergotherapie Riesa - AKTIVerLEBEN Elisa Preiß

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Rehago.

 

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